« Hat der Geiger kein Geld mehr, muss er wohl was streichen. »
Das fünfte Zettelchen als Flyerspruch des Gießener Poetry Slams von Moderator Benedict Hegemann.
Poetry Slam Gießen
Die Stadt der Schwätzer, Dichter und Denker, lädt zum Poetry Slam ein. Hier die Justus-Liebig-Universität, dort die Technische Hochschule Mittelhessen, dazwischen das Elefantenklo. Ein Dönerdreieck mit sieben Dönerläden und für alle die damit nicht gerechnet haben: das Mathematikum. Eine Stadt wie ein Eintopf. Urig, würzig und schmeckt immer nach Heimat.
Wahre Schönheit kommt von innen. Das spricht für Gießen und für die Texte auftretender Poet:innen, die es zu bewerten gilt. Eingeladen aus ganz Deutschland buhlen sie monatlich um eure Gunst im Jokus. Selbstgeschriebener Text, Zeitlimit von 6 Minuten und keine Requisiten bilden das Reglement des elefantastischsten Dichterwettstreits des Landes. Ihr seid die Jury, kürt die Monatssieger:innen mit Liebe und habt für jede Saison mit Beifall wortwörtlich in der Hand, wer Jahressieger:in wird und für uns bei den hessischen Meisterschaften für Gießen antritt.
Das vierte Zettelchen als Flyerspruch des Frankfurter Poetry Slams von Moderator Benedict Hegemann.
Poetry Slam Frankfurt
In den Schluchten der Stadt, wo an Wolken gekratzt wird, strahlt aus Gassen die raue Kultur empor. An den Buchten von Glas und Beton kratzen wir an den Seelen ihrer Menschen. Wir sind das Spaßfaserkabel, das Herzen vernetzt. Wir sind die kreative Verschmutzung zwischen Hochglanzbankern und Drogendealern. Wir sind sus. Wenn in China ein Sack Reis umfällt, schreiben wir darüber einen Text. Und er ist gut.
Jeden Monat erwarten euch eingeladene Poetry Slammer:innen aus ganz Deutschland. Hier im gemütlichsten Dichterwettstreit Frankfurts dürfen sie alle Mittel der Bühnenliteratur ziehen, um euch zu beeindrucken. Solange sie sich an die wenigen Regeln des Wettbewerbs halten (selbstgeschriebener Text, Zeitlimit von 6 Minuten, keine Requisiten, nur zitierter Gesang) obliegt es an ihnen, ob sie euch mit Lustigem, Ernstem, Lyrischem oder Prosaischem beeindrucken wollen. Ihr als Zuschauer bewertet die Poet:innen und entscheidet, wer im Finale noch einmal auftreten darf und dann dort, wer den Slam schlussendlich gewinnt. Interessierte, die sich gerne im Slam erproben möchten, melden sich bitte vorher an.
Benedict Hegemann im Finale der hessischen Poetry Slam Meisterschaft am 23.06.13 in Kassel. | Photo: Uwe Lehmann
19. September 2025 · Wir widmeten uns dem Thema Poetry Slam und hatten dazu einen Profi eingeladen. Benedict Hegemann besuchte uns im Studio und wir haben uns über seine Events Poetry Slam Mittelhessen und Montez Slam unterhalten, vor allem auch über das Finale der hessischen Landesmeisterschaften im Poetry Slam, welches am Folgetag stattfand. Außerdem ist Benedict als DJ und Musikproduzent unter dem Namen Timcat unterwegs und veranstaltet die Reihen Das Electro Swing Ding und Golden Twenties. Das Interview ist online, hört rein!
Die von ihm als Timcat produzierten Tracks als Einspieler zwischen den Themen wurden für das hochgeladene Interview rausgeschnitten. Ihr könnt also gerne auch ein akustisches Sneak Peak von ihm direkt auf SoundCloud erleben. Noch vor seinem Album ‘Fräulein Wunder’ releast bald auch sein erster Track ‘Sing, Sing – Timcat feat. Danny Hughes & Darmstadt State Orchestra’ auf dem Spotify-Profil.
Hier könnt ihr das Interview von Radio X nachhören.
Letztes Jahr durfte ich für Oh la laqua einen einzigartigen Auftragstext zu einem Thema schreiben. Allgemein schon eine gute Sache, mit nur etwas Flüssigkeit ganz ohne Zucker oder künstlichen Inhaltsstoffen, Wasser in gute Geschmacksrichtungen zu verwandeln. Aber jetzt werkelte man schon länger an einer neuen Produktreihe mit Nahrungsergänzungsmitteln.
Fünf verschiedene Sorten wurden dafür eigens entwickelt und für fünf Menschen aus der Poetry Slam Szene galt es dann Texte zu diesen zu schreiben: Beauty, Resistance, Boost, Balance und Focus. Ich wurde für die letztere Sorte angefragt für einen gezielten Auftragstext und auswendiger Performance.
Meine ersten Ideen waren spezifischer in Richtung einer Kameralinse und das Einbauen grafischer Begriffe wie Konturen oder Weichzeichnung. Doch das auffinden gewisser Worte und Reime hat mir schnell gezeigt, dass sich damit leider kein spannendes Narrativ findet. Das ist für mich nämlich ein wichtiger Punkt, da ich stets den Anspruch habe Inhalt, Aussage und Form auch unterhaltsam darzubieten zu können.
Der Kopf ist meine Kamera
Die Augen meine Linse
Ebenfalls habe ich nochmal alte Textideen, vorhandene Reime und Strukturen durchsucht aus meiner Datenbank, wo sich seit 2009 sehr viel angesammelt hat. Und auch, wenn ich zu dem Thema schonmal richtig gute Ansätze hatte, war ich nicht zufrieden mit dem Themengebiet, das ganze fünf Minuten füllen muss.
Du musst nur den Kontrast auf grell drehen,
Dann kannst du im Dunkeln hell sehen
Deswegen kam ich darauf, in Absprache mit dem Team, mich dem Thema freier zu widmen und Fokus aus verschiedenen Aspekten einzubauen. Aus der eigenen Erfahrung, dass zu viel Fokus beim Schreiben mich unkonzentriert werden lässt, kam ich auf die Idee, wie ein Dichter im Zimmer sitzt und versucht auf die besten Einfälle zu kommen, um den besten Text der Welt zu schreiben. Leider fällt ihm im dunklen Kämmerlein alleine nichts ein, während ironischerweise im Kontrast draußen sehr absurde Dinge passieren, die ihm wohl die besten Impulse dafür gegeben hätten.
Dadurch ist Fokus nicht nur als wortwörtliches Thema im Text inkludiert, sondern auch in Form der Erzählung, weil ich den Erzähler wie eine Kamera in meinem Kopf geschrieben habe, der den Fokus je nachdem nach drinnen oder draußen verschiebt. Die Kettenreaktion, die sich vor dem Fenster, an der Straße und im Park abspielt, brachte so viele urige Situationen hervor, dass ich einige davon sogar am Ende streichen musste.
Der finale Fokus-Text
Ich durfte dann nach München fahren und vor einem Greenscreen den Text vor verschiedenen Kameras performen und im November gingen die ersten Aufnahmen dazu auch schon online.
Etwas bin ich dann doch stolz geworden auf den gefundenen Rhythmus, der der Performance Luft für verschiedene Geschwindigkeiten erlaubt, auf die perfekte Metrik und den ein oder anderen witzigen Reim. Es war mir auf jeden Fall eine Freude, liebes Team von Oh la laqua und Danke für das Vertrauen!
Für das Stadtplanungsamt des Magistrats Frankfurt durfte ich neben anderen Kunstarten einen Poetry Slam Workshop direkt am größten Platz der Stadt halten: der Hauptwache. Innerhalb von ein paar Stunden habe ich mutiges Laufpublikum unterstützt ein paar Texte zu verfassen. Was hören wir auf der Hauptwache? Was haben wir auf ihr erlebt? Wie nehmen wir sie wahr?
Ich durfte ein Gedicht vorab als Rahmen verfassen, das die kleinen Textfetzen der Menschen als Anfang und Ende dienen sollte. Am Ende haben wir sogar die Ergebnisse zusammen live vor Ort vorgetragen und daraus wohl das größte Poetry Slam Team der Welt geschaffen – sechs Menschen standen am Ende mit mir auf der Bühne. Das Vortragen der anderen sieben Textfetzen habe ich für die Personen übernommen, die nicht so lange bleiben konnten.
Der Beteiligungsprozess zur Zukunft der Hauptwache.
Der Beteiligungsprozess
Es ist wichtig, Menschen die Möglichkeit zu geben sich zu beteiligen. Wir alle nehmen unsere Welt anders war. Wir alle haben andere Wünsche. Und wenn es darum geht das Herz der Stadt über die nächsten Jahre neu aufzubauen, ist es wertvoll die Meinungen von denen zu kennen, die täglich über die Hauptwache gehen. Das könnt ihr auch immer noch – der Beteiligungsprozess wird über die nächsten Monate noch weiter gehen. Mehr Informationen zum Projekt #HaupwacheZukunft findet ihr hier.
Das Gedicht zur Hauptwache
Es gibt eine Stadt, tief im Inner’n von Hessen Die groß wirkt und trotzdem so klein Sie steht für’s Erinnern und nicht für’s Vergessen Es ist die Stadt Frankfurt am Main
Die Häuser, sie kratzen ganz oben die Wolken Die Schluchten dazwischen so tief Sie ist, was wir Menschen schon längst von ihr wollten, ’ne Stadt mit ganz schönem Betrieb!
Inmitten von Hektik und Heckmeck und Trubel Und Hickhack und Tick-Tack der Uhr Kann jeder von uns voller Freude auch Jubeln Man lebt hier das Leben noch pur!
Hier trinkt man noch Äppler aus feinem Kristallglas Ich glaube, das nennt man Gerippt Grie’Soß hat doch sieben der Kräuter als Mahlmaß – Ich hätt fast auf sechs nur getippt
Wenn Straßen die Adern, wir Menschen das Blut sind, Ist ein Ort das Herz dieser Stadt Ein Ort, der auch stets dafür sorgt, dass die Glut glimmt Und Leidenschaft in uns entfacht
Ein Ort der für uns eine Hauptsache darstellt Ein Platz – mit ganz schön viel Platz Ihr wisst, was uns über die Hauptwache einfällt: Es ist mehr als einfach ein Satz
[Hier kommen die Textfetzen der Workshopteilnehmer:innen]
So viele Geschichten, im Guten und Schlechten, Erlebt und erzählt und gehört Doch nur dieser Ort ist noch einer der Echten, – Der uns begeistert, empört
Man hört mit den Ohren so viel auf den Plätzen Nur hier hört man Heimat heraus Wir treffen uns zwischen nur-einmal-kurz-setzen Und Ich-verlier-Zeit-in-den-Staus
Wir hören das Leben als Echo durch Gassen Als Freude, die laut lachend ist Wir sind gerne hier und wir können’s auch lassen, Weil Schönheit auch Hauptwache ist