Benedict Hegemann

Veranstalter, Poetry Slammer, DJ & Produzent

Aus der Schublade

Bilder rahmen

Im Altenheim liegt Lin allein
Im Bett und ist ganz stumm
Die Hand schmiegt ein gerahmtes Bild,
Das Herz und Kopf mit Stille füllt.
Sie biegt die Finger krumm,

Umfühlt den kühlen Rahmen, klein
In ihrer großen Hand,
Wo Falten tiefe Gräben sind
Und Blut im Bächlein zaghaft rinnt,
Wie ein zerfurchtes Land


Den Rahmen schmückt ein golden Schild
Mit Namen eingraviert
‚Familie Kieper‘ schnörkelt Schrift
Als wär’s geschrieben mit ’nem Stift,
Weil Schwung die Linien ziert

Sie ist im Bilde von dem Bild
Erkennt sich selbst darauf
Nebst anderen Gesichtern, die
Mit anderen Geschichten, wie
Sie – damals noch – wohlauf


Doch Nebel schleicht sich wunderlich
Ins Leben, Jahr für Jahr
Verschleiert die Erinnerung
Zu Zeiten, wo sie immer jung
Und frei gewesen war

Schon die Gedanken unter sich
Verheddern und es klemmt
Die Augen trüb, als wären sie
Nicht ihre, ja wahrhaftig nie
Gewesen, sondern fremd


Die Menschen sind für sie so dünn
Auf diesem Glanzpapier
So dünn, dass jede Tiefe fehlt
Und nichts Geschichten noch erzählt,
Deswegen liegt sie hier

Ein Wort verliert so schnell den Sinn,
Als wär’ es arg verstaubt,
Man gräbt im Kopf und es ist fort
Denn Stück für Stück wird jeder Wort-
schatz mehr und mehr beraubt


Der Pfleger legt ja Wert darauf,
Dass keine Sorge plagt
Gibt Haltung, Hoffnung wann er kann
Doch wenn er gottverdammt sich dann
Ins Zimmer wieder wagt –

Laut quietscht der Türknauf auf,
Ganz leise geht er her –
Da sieht er eingerahmt das Bild
In alten Händen und das Schild
Ist ohne Namen leer


Es lauert ihm Bedauern pur
Es dauert – bis er’s klaut
Damit es dieser Frau – so alt –
Nicht quält, dass da was fehlt und bald
Die Dunkelheit ihr graut

Was bleibt ihm denn? Er hilft doch nur!
Es kommt eh keiner mehr
Als wäre sie auf dieser Welt
Alleine und bloß abgestellt
Und nicht von ungefähr


Der Pfleger legt nur etwas Stolz
Und Würde mit ins Boot
Damit Lin wenigstens vergisst,
Dass sie so alles g’rad vergisst,
Für einen schön’ren Tod

Der Rahmen ist aus altem Holz
Und hängt bald an der Wand
Samt Bild im Haus des Pflegers fein,
Soll neben all den And’ern sein
Die er in Händen fand

Fünftes #Zettelchen

« Hat der Geiger kein Geld mehr, muss er wohl was streichen. »
Das fünfte Zettelchen als Flyerspruch des Gießener Poetry Slams von Moderator Benedict Hegemann.
Das fünfte Zettelchen als Flyerspruch des Gießener Poetry Slams von Moderator Benedict Hegemann.

Poetry Slam Gießen

Die Stadt der Schwätzer, Dichter und Denker, lädt zum Poetry Slam ein. Hier die Justus-Liebig-Universität, dort die Technische Hochschule Mittelhessen, dazwischen das Elefantenklo. Ein Dönerdreieck mit sieben Dönerläden und für alle die damit nicht gerechnet haben: das Mathematikum. Eine Stadt wie ein Eintopf. Urig, würzig und schmeckt immer nach Heimat.

Wahre Schönheit kommt von innen. Das spricht für Gießen und für die Texte auftretender Poet:innen, die es zu bewerten gilt. Eingeladen aus ganz Deutschland buhlen sie monatlich um eure Gunst im Jokus. Selbstgeschriebener Text, Zeitlimit von 6 Minuten und keine Requisiten bilden das Reglement des elefantastischsten Dichterwettstreits des Landes. Ihr seid die Jury, kürt die Monatssieger:innen mit Liebe und habt für jede Saison mit Beifall wortwörtlich in der Hand, wer Jahressieger:in wird und für uns bei den hessischen Meisterschaften für Gießen antritt.

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Viertel #Zettelchen

« Bloß nicht auf Regen! »
Das vierte Zettelchen als Flyerspruch des Frankfurter Poetry Slams von Moderator Benedict Hegemann: "Regen ist bloß viel Konfetti aus Wasser / Ähnlich so wie aus Papier - halt nur nasser".
Das vierte Zettelchen als Flyerspruch des Frankfurter Poetry Slams von Moderator Benedict Hegemann.

Poetry Slam Frankfurt

In den Schluchten der Stadt, wo an Wolken gekratzt wird, strahlt aus Gassen die raue Kultur empor. An den Buchten von Glas und Beton kratzen wir an den Seelen ihrer Menschen. Wir sind das Spaßfaserkabel, das Herzen vernetzt. Wir sind die kreative Verschmutzung zwischen Hochglanzbankern und Drogendealern. Wir sind sus. Wenn in China ein Sack Reis umfällt, schreiben wir darüber einen Text. Und er ist gut.

Jeden Monat erwarten euch eingeladene Poetry Slammer:innen aus ganz Deutschland. Hier im gemütlichsten Dichterwettstreit Frankfurts dürfen sie alle Mittel der Bühnenliteratur ziehen, um euch zu beeindrucken. Solange sie sich an die wenigen Regeln des Wettbewerbs halten (selbstgeschriebener Text, Zeitlimit von 6 Minuten, keine Requisiten, nur zitierter Gesang) obliegt es an ihnen, ob sie euch mit Lustigem, Ernstem, Lyrischem oder Prosaischem beeindrucken wollen. Ihr als Zuschauer bewertet die Poet:innen und entscheidet, wer im Finale noch einmal auftreten darf und dann dort, wer den Slam schlussendlich gewinnt. Interessierte, die sich gerne im Slam erproben möchten, melden sich bitte vorher an.

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Hegemann im Interview mit Radio X über Poetry Slam, DJing und Musikproduktion

Benedict Hegemann im Finale der hessischen Poetry Slam Meisterschaft am 23.06.13 in Kassel.
Benedict Hegemann im Finale der hessischen Poetry Slam Meisterschaft am 23.06.13 in Kassel. | Photo: Uwe Lehmann

19. September 2025 · Wir widmeten uns dem Thema Poetry Slam und hatten dazu einen Profi eingeladen. Benedict Hegemann besuchte uns im Studio und wir haben uns über seine Events Poetry Slam Mittelhessen und Montez Slam unterhalten, vor allem auch über das Finale der hessischen Landesmeisterschaften im Poetry Slam, welches am Folgetag stattfand. Außerdem ist Benedict als DJ und Musikproduzent unter dem Namen Timcat unterwegs und veranstaltet die Reihen Das Electro Swing Ding und Golden Twenties. Das Interview ist online, hört rein!

Die von ihm als Timcat produzierten Tracks als Einspieler zwischen den Themen wurden für das hochgeladene Interview rausgeschnitten. Ihr könnt also gerne auch ein akustisches Sneak Peak von ihm direkt auf SoundCloud erleben. Noch vor seinem Album ‚Fräulein Wunder‘ releast bald auch sein erster Track ‚Sing, Sing – Timcat feat. Danny Hughes & Darmstadt State Orchestra‘ auf dem Spotify-Profil.

Hier könnt ihr das Interview von Radio X nachhören.

Der beste Text der Welt: Fokus

FUNC UP YOUR FOCUS, FUNC UP YOUR LIFE

Letztes Jahr durfte ich für Oh la laqua einen einzigartigen Auftragstext zu einem Thema schreiben. Allgemein schon eine gute Sache, mit nur etwas Flüssigkeit ganz ohne Zucker oder künstlichen Inhaltsstoffen, Wasser in gute Geschmacksrichtungen zu verwandeln. Aber jetzt werkelte man schon länger an einer neuen Produktreihe mit Nahrungsergänzungsmitteln.

Fünf verschiedene Sorten wurden dafür eigens entwickelt und für fünf Menschen aus der Poetry Slam Szene galt es dann Texte zu diesen zu schreiben: Beauty, Resistance, Boost, Balance und Focus. Ich wurde für die letztere Sorte angefragt für einen gezielten Auftragstext und auswendiger Performance.

Ideen zum Thema

Meine ersten Ideen waren spezifischer in Richtung einer Kameralinse und das Einbauen grafischer Begriffe wie Konturen oder Weichzeichnung. Doch das auffinden gewisser Worte und Reime hat mir schnell gezeigt, dass sich damit leider kein spannendes Narrativ findet. Das ist für mich nämlich ein wichtiger Punkt, da ich stets den Anspruch habe Inhalt, Aussage und Form auch unterhaltsam darzubieten zu können.

Der Kopf ist meine Kamera
Die Augen meine Linse

Ebenfalls habe ich nochmal alte Textideen, vorhandene Reime und Strukturen durchsucht aus meiner Datenbank, wo sich seit 2009 sehr viel angesammelt hat. Und auch, wenn ich zu dem Thema schonmal richtig gute Ansätze hatte, war ich nicht zufrieden mit dem Themengebiet, das ganze fünf Minuten füllen muss.

Du musst nur den Kontrast auf grell drehen,
Dann kannst du im Dunkeln hell sehen

Deswegen kam ich darauf, in Absprache mit dem Team, mich dem Thema freier zu widmen und Fokus aus verschiedenen Aspekten einzubauen. Aus der eigenen Erfahrung, dass zu viel Fokus beim Schreiben mich unkonzentriert werden lässt, kam ich auf die Idee, wie ein Dichter im Zimmer sitzt und versucht auf die besten Einfälle zu kommen, um den besten Text der Welt zu schreiben. Leider fällt ihm im dunklen Kämmerlein alleine nichts ein, während ironischerweise im Kontrast draußen sehr absurde Dinge passieren, die ihm wohl die besten Impulse dafür gegeben hätten.

Dadurch ist Fokus nicht nur als wortwörtliches Thema im Text inkludiert, sondern auch in Form der Erzählung, weil ich den Erzähler wie eine Kamera in meinem Kopf geschrieben habe, der den Fokus je nachdem nach drinnen oder draußen verschiebt. Die Kettenreaktion, die sich vor dem Fenster, an der Straße und im Park abspielt, brachte so viele urige Situationen hervor, dass ich einige davon sogar am Ende streichen musste.

Der finale Fokus-Text

Ich durfte dann nach München fahren und vor einem Greenscreen den Text vor verschiedenen Kameras performen und im November gingen die ersten Aufnahmen dazu auch schon online.

Etwas bin ich dann doch stolz geworden auf den gefundenen Rhythmus, der der Performance Luft für verschiedene Geschwindigkeiten erlaubt, auf die perfekte Metrik und den ein oder anderen witzigen Reim. Es war mir auf jeden Fall eine Freude, liebes Team von Oh la laqua und Danke für das Vertrauen!

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